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Sonntag, 18.02.2007

Rezi: Das dunkle Vermächtnis

Und wieder einmal ist die Geschichte rasch erzählt.
Der ehemalige Polizist Charlie Parker, von seinen Freunden nur Bird genannt, wird von einer Bekannten gebeten bei ihrem Ex-Mann -Billy Purdue- vorbeizuschauen weil er keinen Unterhalt für sie und ihrer beider Sohn zahlt.
Billy ist ein ganz übler Bursche, einer von der Sorte die jegliches Unheil im Umkreis von 2 Meilen unweigerlich anziehen. Wo der Schrank von einem Mann auftaucht ist Ärger vorprogrammiert.
Bird bekommt einige Hundert Doller von ihm die er der Frau nach dem Treffen gibt, ahnt aber nicht daß er die letzte Person sein sollte der Mutter und Kind lebend zu sehen bekommt...wenige Stunden später sind beide tot.
Alle verdächtigen nun den einschlägig bekannten Ehemann Billy.
Nur Bird nicht, er traut es diesem Menschen zwar zu daß er ohne mit der Wimper zu zucken jemandem Kiefer, Nase und Jochbein mit nur einem einzigen Hieb zertrümmern konnte, aber seiner Ex-Frau oder gar seinem Sohn, den er abgöttisch liebte, könnte er kein Haar krümmen.
Nicht nur der Verlust von Frau und Kind sondern auch die abstrakte Schändung der weiblichen Leiche veranlasst Bird sich dieser Sache anzunehmen.
Der Ex-Cop verlor selbst erst vor knapp einem Jahr Frau und Tochter durch Mörderhand und wusste wie sich der untergetauchte Billy nun fühlen musste.
Die Suche nach dem unbekannten Mörder gestaltet sich aber nicht ganz so einfach da Billy einiges ausgefressen hat was ihm den Zorn eines Kleinmafiosi zugezogen hatte dem wiederum ungeduldige und schießwütige Gläubiger im Nacken sitzen.
Dann ist da noch ne Pensionistin die sich im dichtesten Schneetreiben grundlos und in panischer Angst im düsteren Wald erschießt während gerade mal 2 Meilen entfernt ein Massaker unter Kleinkriminellen geschieht. Was natürlich das Interesse von County-Police und FBI nach sich zieht.
Und zu allem Überfluss scheinen alle Ereignisse miteinander zu tun zu haben denn ein Name zieht sich immer wieder durch dieses Gewirr:
Caleb, Caleb Kyle.
"Wenn du nicht sofort schläfst kommt dich Caleb Kyle holen..."
Ein regionaler Mythos, ein Schreckgespenst das von Eltern immer dann heraufbeschworen wird wenn die lieben Kleinen nicht schlafen wollen oder von Jungs zitiert wird wenn sie sich groß und stark machen.
Ein Mythos???
Die verschneiten Wälder von Maine sind tief, dunkel und bergen so manch Geheimnis.
30 Jahre hat er geruht...

Wer jetzt glaubt das der Autor John Connolly in seinem Buch Das dunkle Vermächtnis möglichst viel Spektakel auf möglichst wenig Platz (knapp 460 Seiten) unterbringen will der wird mit Sicherheit nun auch gleich die Augen verdrehen wenn ich schreibe daß Bird, außer der ganzen Polizei- und Mafiakohorte, auch noch ein sadistisches Killer-Duo dicht auf den Fersen ist und ihm dann auch noch zwei Sidekicks (Angel und Louis) an die Seite gestellt wurden.
Die beiden homosexuellen Ex-Knackis retten nicht nur des öfteren Bird´s Allerwertesten aus brenzligen Situationen sondern lockern auch die Geschichte selbst immer wieder mit ihren sarkastischen Bemerkungen und pointierten Dialogen angenehm auf.
Überhaupt ist der Schreibstiel Connollys sehr leger und schmissig. Geschickt verpackt er Details wie Waffen- oder auch seine Geographischen Kenntnisse in eine oft spannende und dramatische Story. Mag das Grundgerüst des abgehalfterten und gebrochenen Ex-Cops nicht neu und wie aus dem Lehrbuch für Thriller und Krimi sein so setzt er doch auf eigene Akzente.
Der fast völlige Verzicht auf Rückblenden die Vergangenes zu erklären versuchen oder auch der nur angedeutete, geheime Auftrag den Louis angenommen hat aber von dem nicht bekannt ist von wem er ihn erteilt bekommen hat.
Manches bleibt unausgesprochen und über manches kann sich der Leser sein eigenes Bild machen.
Bird und seine beiden Mitstreiter kommen steht´s sympathisch rüber und man gewinnt sie schnell sehr lieb so daß man auf den letzten 150 Seiten das Buch kaum mehr aus den Händen legen kann bis das Abenteuer, wie auch immer, überstanden ist.

Nicht übertrieben, etwas blutig, mit leichter Wehmut aber nie melancholisch kitschig und spannend bis zum Schluss erzählt Connolly seine Geschichte.
Kein Meisterwerk und sicher auch mit einigen Schönheitsfehlern aber dennoch gute Unterhaltung für verschneite Winternächte...

In dem Sinne wünsche ich ihnen ein gutes Buch und bleiben sie stark.
N?

Diese Rezi sei meiner lieben "Leihmutter" gewidmet, die mir, einem ihr völlig Unbekannten, nicht nur das hier besprochene Buch geschenkt hat...Danke.

Samstag, 09.09.2006

Short Rezi: Hendrikje, vorübergehend erschossen

"Nur nichts anbrennen lassen", dachte sich die Autorin Ulrike Purschke bei ihrem Debütroman Hendrikje, vorübergehend erschossen und lies nicht nur ein Kind in den Brunnen fallen, sondern gleich einen ganzen Kindergarten samt Tante und Milchmann ohne Rückfahrkarte, und wer darf dieses Stehgewässer wieder bis zu seinem bitteren Grund auslöffeln? Genau, der ahnungslose Leser der sich dieses Buch mit Nachhause genommen hat.
Aber wir wollen ja nicht aus der Chronologie springen...

Hendrikje ist eine Frau, gut 30 Stück an Jahren, die sich so mehr schlecht als recht durch ihr Leben als Malerin/Kellnerin wurstelt. Malen würde sie gerne aber davon kann sie (noch) nicht leben, und kellnern muss sie -von dem kann sie zwar leben- aber sie tut´s nicht gerne.
Alles verlief, wie so oft, in geordneten Bahnen bis das Schicksal meinte ihr ordentlich Knüppel zwischen die Beine werfen zu müssen.
Weihnachte.
Ihre Omi sitzt tot am festlichen Tische, ihr Atelier steht samt all ihrer Bilder -die in einigen Monaten hätten in einer Galerie hängen sollen- in Flammen, mit einem Schlag hat sie nen Schuldenberg von sage und schreibe 107 000 Euro an der Backe, ihr Rad wird gestohlen und ihr "nicht" Freund/Geliebter verlässt sie von heute auf morgen...und das ist noch nicht alles gewesen.
Unter diesen Bedingungen wird der unumschmeißliche Beschluss des Selbstmordes gefasst, das Leben hat keinen Sinn mehr. Leider ist Hendrikje so naiv wie inkompetent in solchen Belangen so das der erste Versuch mit einem blauen Auge endet. Beim zweiten helfen ihr ihre Freunde, zu was hat man sie denn sonst?
Termin steht, sie erlebt noch ne bomben Woche, selbst der doofe Bruno kann ihr nicht an, und als es so weit ist liegt auch ne Leiche am Boden...
...aber nicht Hendrikje
Und jetzt beginnen die Probleme erst recht.

Hendrikje, vorübergehend erschossen stammt aus der Feder Ulrike Purschkes die sich ihr Geld unter anderem mit dem Schreiben von Drehbüchern für die allseits beliebten TV-Telenovelas verdingt. Dies soll jetzt zwar nicht auf die Qualität des Buches schließen lassen, erklärt aber dennoch die etwas flache, mit sehr blassen Charakteren verzierte, Handlung.
Auf der Habenseite kann Purschke eine gute Idee und einen etwas flotteren Schreibstiel vorweisen.
Auf der Sollseite steht leider die etwas missglückte Umsetzung des Ganzen.
Mit dem mehrseitigen Monolog über Hendrikje´s Arbeitsplatz macht sie einen wirklich guten Anfang (inklusive politisch inkorrekten Witz) nur weicht das ganze schnell einem lamentieren und dahingreinen. Das Buch verliert zwar nicht an Tempo aber merklich an Schwung.
Alles wird nur angeschnitten, die Charaktere sind unausgereift und sind manchmal nur Statisten in diesem Spiel, manches ist nicht fertiggedacht und zu allem Überfluss vorhersehbar.
50 Seiten braucht es bis alles Unglück der Welt über Hendrikje hereingebrochen ist, die Autorin streckt das ganze dann noch unnötiger Weise auf 140 Seiten, so dass der Schluss auf gerade mal 50 Seiten dahingepfuscht wird. Was ich sehr bedauerlich finde, weil gerade jener es ist der den freien Fall des Buches zumindest etwas bremst.
Denn erst im letzten Teil des Buches findet die "Heldin" ihre wahre Liebe, und diese gegenseitige Annäherung hätte gut und gerne 30-40 Seiten mehr verdient.
"...warmherziger und witziger Roman..." steht auf dem Buchdeckel. Das Erstere auf den letzteren Teil des Buches bezogen mag wohl stimmen. Aber witzig?? Zwei Lacher auf 216 Seiten ist nicht gerade ne Spaßgranate.

So mancher Leserin wird das Buch vielleicht gefallen, aber selbst bei einem Blindkauf -mit geschlossenen Augen- ist die Wahrscheinlichkeit definitiv größer ein besseres Buch zu finden als das hier vorgestellte.

In dem Sinne wünsche ich ihnen ein gutes Buch und bleiben sie stark.
NtM

Samstag, 26.08.2006

Short Rezi: Honeymoon

Nora Sinclair.
Tagsüber erfolgreiche Innenarchitektin wandelt sich des Nächtens zur Männermordenden, Omelett-Köchin die leider die dämliche Angewohnheit hat, nach dem der Mann ihres Herzens tot am Boden liegt, zwar nicht, der schwarzen Witwe gleich, sein Blut zu schlürfen, aber dennoch fix sein Bankkonto zu entleeren.
Und gerade jene Transaktionen im Umfang mehrerer Millionen Dollar erregen die Aufmerksamkeit des FBI. Und dass schickt natürlich ihren besten Mann.
John O´Hara.
Nach anfänglich noch harmlosen Geplänkeln und diversen Versteckspielen gerät er an seine Verdächtige näher rann als er geplant hatte und bekommt rascher ein Omelett serviert als ihm lieb ist...

Haben bei Cupido Masochisten wegen unsäglicher Bettszenen, überzogener Gewalt und Vorhersehbarkeit ab Mitte des Buches noch mit der Zunge geschnalzt werden sich selbst resistente Schmerzfanatiker bei Honeymoon, von James Patterson, ein kurzes Zucken in der Gesichtsgegend nicht verkneifen können.
Es ist lange her dass ich ein Buch in den Händen hatte das aber mit solch einer Belanglosigkeit beseelt war. Währe man garstig würde man es als 378 Seiten starkes Dokument einer literarischen Arbeitsverweigerung sehen.
Das Buch hat Qualitäten, zwar nicht viele (2 vielleicht), aber dennoch. Zum einen das etwas unsägliche Lettering, wo sich der Verlag hat hinreißen lassen das gesamte Buch in sage 117! Abschnitte zu teilen. Was zusammengefast gut 40 Leerseiten offenbart die man leicht überblättert und somit, der geübte Leser, an einem Tag mit dem Büchlein durch ist.
Zum anderen steht da die durchaus gekonnte Feder Pattersons die es einem zwar sehr leicht macht dieses Buch ohne Probleme zu lesen aber, jetzt kommen die Schattenseiten, dahingehend schwächelt dass sich keine Höhepunkte in diesem Geplätscher abzeichnen.
Auch die Konstruktion der Geschichte ist vollends missglückt. Wie ein schlechter Comedyen kann es sich Patterson nicht verkneifen die Pointen im Vorhinein zu erzählen und den Rest des Witzes im Nachhinein aufzuschlüsseln. Die Mechanik des "hinterherwerfens" mag zwar anfänglich kreativ wirken löst aber beim aufmerksamen Leser immer wieder Befremden dahingehend aus dass man vor einer Passage sitzt und man sich denkt:
"Hoppla, das hätte jetzt spannend sein sollen?"

Patterson schert sich leider nicht um seine Charaktere, er gibt ihnen keine Ecken und Kannten an denen man sich festhalten könnte. Nora ist ein Püppchen ohne sorgen die nur aus Langeweile Mordet, oder auch weil der Autor es so schreibt. Und O´Hara ist das erfolgreiche Raubein das Unmengen von Menschen töten könnte und trotzdem würde ihm noch jeder auf die Schulter klopfen.

Abschließend bleibt der Ärger darüber sich dieses überflüssige Buch überhaupt gekauft zu haben bzw. wieder einen Autoren dabei zuzusehen wie er ein halbherziges Drehbuch für einen schlechten B-Movie abliefert das leider so impertinent nach Auftragsarbeit riecht dass es einem die Tränen in die Augen treiben mag.


In dem Sinne wünsche ich ihnen ein gutes Buch und bleiben sie stark.
NtM

Sonntag, 30.07.2006

Rezi: Lolita

Nymph'chen (das, -s, -) sehr junges verführerisches Mädchen [gr.-lat.]

Und eben jene Nymphchen sind es ohne die Humbert nicht mehr leben kann. Denen er hörig ist, verfallen in obsessiver Zuneigung.

Humbert Humbert, ein vom Erzähler selbst gewähltes Pseudonym, ist dem äußeren Anschein nach ein Mann normaler Erscheinung. Er sieht gut aus und ist gut situiert. Eine "gute Partie" wie man im Volksmund sagen würde. Nur verkompliziert sich sein Leben dadurch das er eines Tages auf ein verführerisches, aber doch noch sehr junges Mädchen trifft.
Er weis natürlich das der Anstand es gebietet sich nicht an den jungen Dingern zu vergreifen womit er sich seit dem, bei seinen Damenbekanntschaften -meist jene der käuflichen Art-, nach Möglichkeit an die jüngeren hält, jene die seinen Vorstellungen eines Nymphchens am nächsten kommen.
Schon bald findet er auch eine Dame, Valeria, die ihn nicht nur liebt sondern die auch seiner Vorstellung der jungen Unschuld entspricht. Man ist glücklich verliebt und zufrieden, bis gleich zwei Zufälle aufeinander prallen.
Humbert bekommt einen Brief von seinem Onkel aus Amerika der ihm anbietet in seinem Unternehmen an der Ostküste tätig zu werden, im Gegenzug dafür bekäme er eine monatliche Rente ausgezahlt. Einzige Bedingung währe das er nach Amerika zöge und dort lebe.
Zur selben Zeit offenbart ihm Valeria das sie in einen andern verliebt sei und sich von ihm trennen will...
Humbert, anfangs noch wütend über den Betrug den seine Freundin hinter seinem Rücken begangen hat, beginnt aber recht schnell auch die positiven Seiten des ganzen zu sehen.
Er war nun wieder frei und ungebunden und könnte somit ohne Verzögerungen nach Übersee reisen und seine Rente antreten.

Dort, in Amerika, lebt er sich recht rasch ein. Die Arbeit fällt ihm leicht und auch sonst geniest er die Annehmlichkeiten die das Leben in Amerika so mit sich bringt.
Bis zu einem Zusammenbruch, auf den hin er in eine Anstalt eingewiesen wird um nicht nur am Körper sondern vor allem am Geist zu genesen.
Halbwegs rehabilitiert versucht er bei der Arbeit nun jeglichen Stress zu vermeiden und nimmt sich immer wieder Auszeiten.
Und gerade bei solch einer Auszeit trifft er auf seine einzig wahre Liebe, sein Objekt der Begierde...Opfer seiner Obsession.
Und auch hier waren wieder Zufälle am Werk.
Um einige ruhige Tage zu verbringen fährt Humbert mit dem Zug aufs Land. In dem kleinen Örtchen angekommen steht auch schon ein netter Mann vor dem Bahnhof um ihn zu fragen ob er den der Herr aus der Stadt sei und ob es ihm etwas ausmachen würde ein anderes, alternatives, Quartier zu beziehen? Sein Bauernhof, wo Humbert für die paar Tage hätte wohnen sollen, sei gestern abgebrannt und somit unbewohnbar. Aber die Witwe Haze hat sich erboten ihn für einige Wochen in Untermiete zu nehmen.
Zwar etwas verstimmt, aber dennoch gehalten, lässt sich Humbert zu besagten Witwe fahren. Bereits beim betreten des Hauses wusste er das er am besten gleich wieder abreisen sollte. Denn nicht nur die Wohnstatt sondern auch die Witwe Haze selbst war ihm mehr als unsympathisch, auch wenn sie ihm mit ausgesuchter Höflichkeit begegnete und ihn freundlich durch das ganze Anwesen führte.
Unmut macht sich in ihm breit und er will schleunigst wieder verschwinden, schade war es ihm um die vertane Zeit, bis...ja, bis er in den Garten kam und dort hingeräkelt die Tochter der Witwe sah.
Dolores, seine Lolita.
Natürlich entschloss er sich sofort zu bleiben und in den folgenden Tagen und Wochen lies er keine Gelegenheit aus um dem 12 jährigen Mädchen nahe zu sein.

Zufälle gibt es nicht möchte man meinen wenn man Humberts Geschichte nun weiter verfolgt.
Denn ein selbiger -diesmal jedoch folgenschwerer- fügt es das Humbert nicht nur länger als geplant in Lolitas Nähe verweilen kann sondern gar ihr Vormund wird.
Damit beginnt eine Odyssee nicht nur quer durch die Vereinigten Staaten von Amerika sondern auch durch Humberts unrettbares Seelenleben...


Der von Vladimir Nabokov verfasste und 1958 veröffentlichte Roman Lolita ist das was in der Öffentlichkeit immer wieder als literarischer Klassiker bezeichnet wird. Warum ist mir zwar ein Rätsel aber ich will mal von Vorne beginnen.
Schlägt man das Buch auf und hat man dann die ersten 50 Seiten gelesen fallen einem gleich zwei Dinge ins Auge:
Zum einen ist es der Stiel Nabokovs. Jener zeichnet den Schreiber als durchaus talentiert und wortgewandt aus. Nabokov ist ein Beobachter kleiner Dinge und versteht einen gelungenen Erzählfluss aufrecht zu erhalten. Man könnte seine Sprache schon fast als "blumig" bezeichnen. Leicht schnörkelig aber nie penetrant.
Und zum anderen ist es der stetig präsente Hauch von Ironie. Und gerade jene war es die mich verblüfft hat. Denn wahren die beiden Romanverfilmungen ( 1962 / 1997) immer mit einem etwas düsteren und ernsten Unterton versetzt kann man sich beim Buch stellenweise ein Schmunzeln nicht verhalten. Nabokov scheint hier mit der Erwartungshaltung des Lesers zuspielen.
Lolita behandelt ein Thema das gerade in unseren Zeiten, leider, aktueller den je ist und da erwartet man ja doch eine gewisse Gesetztheit, einen gewissen Ernst, um zu verhindern dass das Buch in die Banalität abrutscht.
Aber nein; gerade durch die leichte Ironie gelingt es dem Schriftsteller, zumindest anfänglich, uns den Charakter des Humbert verständlicher und zugänglicher zu machen.
Denn dieser ist ganz unten, er sitzt nach einem Mord im Gefängnis und glaubt selbst nicht mehr daran hier wieder heraus zu kommen, sein Glück zu finden oder überhaupt je wieder als "Mensch" zu gelten. Und das weis er auch, er hat nichts mehr zu verlieren und gerade deswegen versucht er sein Leben, das er dem Leser hier in diesem Buch auf 500 Seiten präsentiert, mit einer gewissen Leichtigkeit -einem Zweckoptimismus- zu sehen.
Dies und die leichte Lesbarkeit des Buches sind aber leider schon die einzig positiven Eigenschaften dieses Werkes.
So solide die handwerkliche Komponente an diesem Buch glänzt so unansehnlich gestaltet sich die Aufarbeitung der Story.

Leider steht, abgesehen vom ach so heiklen Thema des Kindesmissbrauchs, auf 500 Seiten Lolita nichts was ich nicht schon bei Updike oder DeLillo gelesen hätte.
Folglich müsste das Werk nun auf der Ebene der Charaktere funktionieren, was es aber nicht tut.
Nabokov bleibt, was Humbert und Lolita betrifft, zu sehr an der Oberfläche bzw. tut er Lolitas Seelenleben lediglich mit eineigen lapidaren Sätzen ab und lenkt seinen Fokus vermehrt auf den männlichen Hauptakteur.
Und gerade das ist etwas was mich sehr gestört hat. Dieses kategorische nicht-beachten Lolitas, dieses in den Hintergrund drängen.
Denn in Verbindung mit anderen Details wie der überdurchschnittliche IQ (über 120) des Mädchens, oder ihre "typisch" kindlichen Launen oder natürlich auch dass nicht ER es war der Hand an sie gelegt hat sondern SIE ihm als erstes Körperlich zudringlich geworden ist, verdichtet immer mehr und mehr das Bild dahingehend das Nabokov Lolita die Schuldfrage in die Schuhe schieben will.
Er leugnet zwar nicht das Humbert auch Mitschuld hat, und jener hat ab und zu schon ordentlich unter seinen Trieben und Zwängen zu kämpfen, aber das Finale "ja" fehlt.
Dieses "ja" dazu dass er es war der sie begehrte, der jahrelangen -stillen- Missbrauch mit ihr getrieben hat.
Und das ist etwas das dem Buch schmerzlich fehlt, etwas was ihm eine gewisse Legitimation verschaffen würde. Da selbst der Mord ganz am Ende der Geschichte, der der anfänglich nach einer Art Abbitte dem Mädchen gegenüber aussieht, dann doch wieder nur ein stumpfer Racheakt dafür ist, dass der Ermordete das Eigentum Humberts geraubt hatte. Nämlich Lolita selbst...
Somit ist und bleibt dieser Mann das was ihn auch schon Dolores genannt hatte, nämlich ein Vieh.

Auch wenn es nun nicht so aussehen mag aber ich schätze Nabokovs Schreibstiel und ich glaube das er ein großes Talent hatte fürs schreiben. Just aber bei diesem, seinem berühmtesten Roman, scheint es mir als ob er jenes maßlos vergeudet hätte. Dies finde ich zwar sehr schade aber es wird mich nicht davon abhalten noch weitere Werke aus seiner Feder zu lesen.

Am Ende bleibt mir somit nur zu sagen dass, wenn jemand Interesse an den Werken Nabokovs zeigt, es ratsam währe mit Büchern wie z.B. Pnin zu beginnen und sich Lolita selbst eher für den Schluss aufzuheben.
Die restliche Leserschaft kann ich zwar nicht davon abhalten es zu lesen, und ich würde es auch begrüßen wenn sich jeder selbst eine Meinung zu diesem Buch machen würde, aber ich könnte es keinem als erbauliche Lektüre für zwischendurch empfehlen.

In dem Sinne wünsche ich ihnen ein gutes Buch und bleiben sie stark.
NtM

Sonntag, 09.07.2006

Short Rezi: das Café der kleinen Träume

Penny und Daniel haben ein gut gehendes Café in der Innenstadt das von so manch Liebes-und Lebensgeplagten Gast aufgesucht wird. Sei es um sich etwas auszuruhen oder auch ein wenig aus seinem Leben zu erzählen.
Wie zb. Henry dessen Frau den neuen Wintergarten mehr liebt als ihren eigenen Mann. Deswegen geniest er die Ruhe im Café und die Aussicht auf die gegenüberliegende Straßenseite wo sich ein kleiner Blumenladen befindet in dem emsig die hübsche Rose arbeitet.
Was Henry nicht wusste war, das gleich ein Tisch weiter Sadie saß. Die etwas ältere Frau war mit einem Wintergarten-Magnaten verheiratet der sie nachweislich mit einer jüngeren betrog. Aber die kleine Frau lässt sich nicht unterkriegen und während sie sich (genüsslich) an ihre "Käsekirschkuchen-Diät" hält schmiedet sie fiese Rachepläne.
Nebst einer verhinderten Künstlerin, einem altjüngferlichen Schwesternpaar und einer Frau die nach langem suchen nun endlich doch ihre wahre Liebe findet, sind dies nur zwei der Stammgäste die das Café frequentieren.

Aber nicht nur die Gäste scheinen ihre kleinen Nöte und Sorgen mit sich herumzutragen auch bei den beiden Besitzern, Daniel und Penny, fängt es zu grießeln an. Sie sind sich uneins wegen der Zukunft des Cafés denn während Daniel weder von neuen Möbeln noch von einem neuen Anstrich des ganzen Lokales etwas hält möchte Penny nun endlich etwas verändern. Sie möchte alles neuer, heller und freundlicher haben...nicht nur im Café sondern auch in ihrem Leben. Zu festgefahren fühlt sie sich nach all den Ehejahren, deren Krönung ein gemeinsames Baby gewesen wäre das aber auch noch auf sich warten lässt. Unmut steigt in ihr auf und sie beginnt sich nicht nur gegen ihren Mann zu stellen sondern fängt auch noch eine folgenschwere Affäre mit einem Wohnungsmakler an.


Das Café der kleinen Träume von Sharon Owens ist ein leicht zu lesender Roman über die Freuden wie aber auch Leiden der Liebe. Dreh- und Angelpunkt des Buches ist das kleine Café das immer wieder als Schnittstelle für die, in Episoden dargebrachten, Geschichten der einzelnen Charaktere dient. Dabei verzichtet die Autorin wohltuend auf übermäßigen Zuckerguss und beschränkt sich auf die wesentlichen Stärken und Schwächen ihrer Figuren.
Gerade DAS macht das Buch um einiges angenehmer zu lesen als zb. die Werke einer Cecelia Ahern die meist etwas gezwungen und verkrampft daherkommen.
Wohltuend auch die "saubere" Sprache die dem Buche innewohnt. Es finden sich (fast) keine Ferkeleien, so das es nicht nur für Mütter sondern durchaus auch für jüngere Schwestern geeignet ist.
Und gerade hier liegt ein kleiner Hase im Pfeffer.
Selbst klein Schwesterlein wird ab und zu etwas mit diesem Buch unterfordert sein. So liebenswert die Geschichte auch sein mag, so unspektakulär und -manchmal- langatmig kommt sie einem entgegen.

Aber dennoch sollte man sich vom lesen dieses Buches nicht abhalten lassen. Gerade jetzt, in der warmen Jahreszeit, kann es keine bessere Lektüre in der Hängematte oder am Baggersee geben.
Wer Geschichten über die Liebe zugetan ist und nicht unbedingt die Souveränität eines Nicholas Sparks braucht, wird mit diesem Buch sicher viel Spaß haben.

In dem Sinne wünsche ich ihnen ein gutes Buch und bleiben sie stark.
NtM

Samstag, 01.07.2006

Rezi: Der Vogelmann

Inspector Jack Caffery scheint auf weite Sicht hin das Pech gepachtet zu haben.
Nicht nur das er eine anstrengende Woche mit 24 Stunden-Diensten vor sich hat, nein, kaum beginnt seine Schicht gibt es auch schon einen Leichenfund. Leider bleibt es nicht nur bei der einen Leiche. Denn als man beginnt die nackte Frau aus dem Erdreich zu buddeln kommen noch 4 Weitere Tote zu Vorschein. Allesamt ebenfalls nackte Frauen die, so scheint es, dem selben Täter zum Opfer gefallen sein dürften. Bei der Obduktion bestätigt sich der Verdacht dahingehend das alle Opfer, bis auf eines , Verstümmelungen im Brustbereich aufweisen, sowie einen laienhaften Schnitt quer über den Brust-und Bauchbereich besitzen.
So weit so gut, nur Rätsel geben die geheimnisvollen Mahle im Gesicht bei vieren der Opfer auf, sowie die verendeten Kleinvögel die -so wie es scheint- noch lebend in die Brustkörbe der Opfer eingenäht wurden.
Und der Absonderlichkeiten nicht genug. Bis auf eine der Toten scheint sich niemand gegen die Misshandlung sowie Vergewaltigungen gewährt zu haben das den Verdacht nahe legt das die Frauen dem Täter vertraut haben müssen und die Verstümmelungen ihnen erst nach ihrem Tot beigebracht wurden.
Cafferys Boss war sich im Klaren das seine Abteilung alleine solch einen Fall nicht bewältigen würde können und forderte deshalb eine zusätzliche Kommission an die unter der Leitung von Detective Diamond stand.
Während Jack Caffery Spuren im Rotlichtmilieu sammelte und die Opfer alsbald als Prostituierte identifiziert werden konnten, verfolgte sein unfreiwilliger Kollege Diamond eine Spur die ihn rasch zu der Vermutung kommen ließ das der Täter in der Drogenszene, genauer in der Schwarzafrikanischen Dealer- Riege zu finden sei. Nicht zuletzt da der Besitzer des Grundstückes, wo die Toten gefunden wurden, bei der Vernehmung behauptete immer wieder einen roten Wagen mit einem Farbigen am Steuer gesehen zu haben.
Jack schenkt dem ganzen jedoch keine Bedeutung, da alle 5 Opfer weiß wahren und bis jetzt noch kein Fall von Serientäterschaft bekannt wurde wo sich ein Täter bei Mitgliedern einer anderen Hautfarbe oder Gesinnung vergriffen hätte, ist es -größtenteils- auszuschließen das der Täter negrider Natur sei.
Diamond musste jedoch nicht lange darauf warten das ihm ein Fisch ins Netz ging, denn bei einer routinemäßigen Befragung in einem Pub -das alle 5 Opfer regelmäßig frequentiert hatten- tauchte unverhofft Gemini auf.
Er war schwarz, verdingte sich sein Geld damit das er Prostituierte zu ihren Freiern fuhr, er hatte einen roten GTI und nebenbei besserte er sich sein Taschengeld mit kleineren Drogengeschäften auf.
BINGO!
Diamond frohlockte den Täter so schnell gefunden zu haben und es kam ihm auch recht gelegen das Gemini bei der Probenabnahme auf dem Revier, den Polizisten gegenüber, gewalttätig wurde. Womit es kein Problem war ihn festzusetzen und hinter Gitter zu stecken.

Caffery konnte nur den Kopf schütteln über diesen Alleingang von Diamond und verfolgte weiterhin seine eignen Spuren. Dabei lernte er die Malerin Rebecca kennen, die nicht nur mit einem der Tötungsopfer bekannt war sondern auch Gemini kannte. Nach anfänglicher Zurückhaltung, um den Dealer zu schützen, legte sie im späteren Verlauf der Ermittlungen dar das sie sich kaum vorstellen kann das Gemini zu solch einer Grausamkeit fähig sei. Drogen ja aber töten nein.
Caffery und Rebecca sind sich rasch sympathisch und Jack fängt an ihr bald mehr zu erzählen. Nicht nur das die Opfer dem Täter vertrauten sondern das jener auch eine rudimentäre Ausbildung in Medizin besitzen müsse. Was nämlich spätere Untersuchungen ergeben haben war das die Opfer an einer Überdosis starben die ihnen direkt in den Gehirnstamm injiziert wurde. Dies war etwas was ein Leihe kaum bewerkstelligen konnte.
Nach diesem Hinweis begann etwas in Rebecca zu schwingen. Nur ein Gedanke, eine Erinnerung, noch fern und kaum zu fassen.
Da nicht nur Jack sondern auch sein Boss und die Kollegschaft nicht so recht an Diamonds Verdächtigen glauben wollten ging die Mörderhatz unverdrossen weiter.
Es gab zwar immer wieder Spuren zu Personen die in das Bild passen würden aber jedes mal wollte sich der endgültige Beweis nicht anfinden lassen.
Bis wenige Stunden nach ihrem Gespräch Rebecca ganz aufgeregt bei Jack anrief um ihm mitzuteilen das es einen Typen gebe auf den seine Beschreibung passe.
Sie war vor längerem auf einer Party im Villenviertel von Greenwich. Gegeben wurde sie von einem ziemlich Verrückten der ganz offen damit hausieren ging das Beste an Drogen im Haus zu haben und das sich seine Gäste daran frei bedienen könnten. Unheimlich wurde er ihr erst als er sie bat eine Nacht mit ihm zu verbringen und er sich anbot ihr Heroin zu spritzen. Aber nicht auf die herkömmliche Art sondern so das sie einen ultimativen Trip erleben würde.
Da, bei näherer Überprüfung, tatsächlich einige Indizien für diesen reichen Partyveranstalter sprachen machte das nicht nur Jack hellhörig.
Rasch wurde alles nötige in die Wege geleitet um den vielversprechenden Bonzen zu überwachen, in unter Beobachtung zu stellen und sogar seinen Müll auf verräterische Beweise zu durchwühlen.
Alles schien nach einem dicken Fisch zu riechen und man wähnte sich dem Mörder bereits dicht auf den Fersen...
...währe da nur nicht die Unzurechnungsfähigkeit des Täters gewesen sowie die Tatsache das jener nur ein Teil des Puzzles war...


Zwei Dinge die nach dem lesen von Der Vogelmann, aus der Schreibwerkstätte Mo Hayders, sofort ins Auge fallen sind:
1. Man wünscht sich mehr solcher Debütromane.
und 2.Das Rad ist rund.
Mo Hayder vermag das selbige nun zwar nicht neu zu erfinden aber sie schafft es dennoch ihre eigenen Akzente, in die mitunter doch schon etwas ausgetretenen Pfade, zu setzen.
Allen voran steht natürlich die Figur des Jack Caffery. Das Leben hat ihm übel mitgespielt.
Von der Familie verlassen hat er auch noch den Tot seines Bruders zu verwinden und darüber hinaus begeht seine Lebensgefährtin (Veronica) einen folgenschweren Vertrauensbruch.
All dies sind Traumata die in seinem Leben permanente Präsenz besitzen. Er lebt ihm Haus seiner Eltern, sein Nachbar ist der Mann den er die Schuld an seines Bruders Tot gibt, und die Beziehung zu seiner Partnerin ist nur noch als kaputt zu bezeichnen. Und gerade diese Schicksalsschläge sind es die ihn für mich menschlich erscheinen lassen. Er ist kein Supermann, auch nicht bei der Arbeit.
Stricken manche Autoren eine Story rund um einen Hauptcharakter so versucht Hayder einen gewissen Teamgeist spürbar zu machen.
Jack zieht zwar -dem Gesetz der Serie folgend- die richtigen Schlüsse und findet dadurch auch die Richtigen Spuren, aber er wird jetzt nicht absichtlich in den Vordergrund gedrängt. Seine Kollegen, allen voran Essex und Maddox, wie auch Rebecca, sind ihm in jeglicher Hinsicht ebenbürtig. Jede(r) hat so seine Stärken und Schwächen und stellen somit nicht nur Pappkameraden dar die lediglich als Stichwortgeber fungieren.
Das macht das Buch lebendiger als andere. Und überhaupt besitzt die Autorin einen guten Riecher für die Details des Lebens. Sie geht fachkundig ans Werk, legt ein gesundes Maß an Wissen an den Tag und verpackt alles in einer gut verständlichen Sprache, ohne den Leser jedoch zu überfordern.
Jene Details sind es auch oft die einen darüber hinwegsehen lassen dass das Setting ab und zu doch etwas karg ausgefallen ist. Was vielleicht zuletzt auch daran liegen mag das man sich London, im meist regnerischen Zustand, als Schauplatz ausgesucht hat.
Ein weiterer Kritikpunkt mag auch die Tatsache sein dass das Buch leider erst im letzten Drittel anfängt zu zünden und sich somit doch eher bedeckt hält was die Spannungskurve betrifft.
Da sich jedoch Mo Hayder durch eine kleine Besonderheit, aus dem Einerlei der Krimikost, abhebt trübt diese Kritik das Lesevergnügen nur geringfügig.
Was mir das ganze Buch über am besten gefallen hat war einfach der Fokus mit dem die Autorin arbeitete.
Ist das Geschehen in artverwandten Büchern wie Cupido, von Jilliane Hoffman, meist von einem Glitter der Marke "American way of CrimeLife" umgeben und droht dadurch die schrecklichen Verbrechen in eine gewisse Belanglosigkeit zu drängen, so beweist Hayder einen schon fast unterkühlten Blick für ihre erzählte Geschichte.
Dies mag man nun natürlich wieder als Kritik auffassen, aber man kann dies nicht behaupten ohne im selben Atemzug nennen zu müssen das sie wiederum einen schonungslosen Blick für ihre Charaktere besitzt. Frontal, hautnah und stets authentisch.
Und was will man in Zeiten der Blockbuster Mentalität noch mehr erwarten??
Somit ist für mich Mo Hayder, nebst Declan Hughes, DIE Krimiüberraschung des ersten Halbjahres 2006!

In dem Sinne wünsche ich ihnen ein gutes Buch und bleiben sie stark.
NtM

* Von Declan Hughes´ Debütroman Blut von meinem Blut findet man ua. hier eine bereits verfasste Rezension.

Montag, 26.06.2006

In unnütz toller Liebe

Das kleine Etwas das von Innen gegen deine Brust drückt, das, jenes so heiß und zähflüssig ist. Das all deinen Schmerz verursacht...
Ich wünschte mir ein Messer das ich mir in die Brust stoßen könnte um den Korb den ich vor mir hertrage zu spalten.
Ich will es finden und herauszerren aus der Dunkelheit meines Körpers.
Ich will es zu packen bekommen und auf die Straße werfen.
Auf ihm herumtrampeln und es treten. Es anschreien, es hassen, zu sehen wie es sich fühlt wenn ihm selbst Leid widerfährt.
Brüllen möchte ich, alle meine Defizite und Ängste möchte ich diesem kleinen Ball aus meinem Inneren aufbürden.
Jede Schmach und jeden Rückschlag soll er zu spüren bekommen, ich brülle ihn wieder und wieder und wieder und wieder und wieder an.
Prügle auf ihn ein.
Als ich zu einem Tritt den Fuß heben wollte merkte ich das die Müdigkeit mich umfängt. Ich hatte mich verausgabt und blutete nach wie vor stark aus der Brust. Aus dem Loch das dieses kleine Etwas hinterlassen hat.
Abgekämpft und mit zitternden Händen lies ich mich auf die Knie fallen, nieder neben dem kleinen Ding das jetzt nur noch schwach einen Schimmer von rotem Licht verteilte.
Ich sah die Narben und Schnitte darauf, manche frisch manche mussten aber auch schon Jahre alt sein.
Das Zittern in den Händen wurde stärker, und heiße Tränen begannen mir, zuerst die Kehle hoch und danach aus den Augen zu treten. War es wegen des Schmerzes das das Loch in der Brust verursachte oder war es wegen dem sich bewusst werden was man gerade getan hatte?
Nicht mehr lange und sie würde verglühen. Sie, die kleine Seele, das Ding das vor mir lag. Das was mich zu einem Menschen macht, das was mich erst leben lässt.
Ich getraue mich nicht Sie zu berühren aber dennoch fange ich an die noch blutigen Hände um sie zu schließen. Ganz sachte, wie ein rohes Ei, nahm ich meine Seele in meiner beider Hände und spürte die Wärme die von ihr ausging. Sie leuchtete nun stärker, sie schien mich zu erkennen, wer ich bin aber auch was ich gerade getan hatte. Noch heller begann das Licht zu scheinen.
Ein Lächeln huschte über mein Gesicht und Tränen der Freude rannen über meine Wangen.
-Sie lebt noch, und Sie wird es schaffen- dachte ich und war einfach nur froh und glücklich diese unbändige Wärme, die von diesem kleinen Ball ausging, nicht nur in meinen Händen sondern durch den ganzen Körper sich ausbreiten zu fühlen.
Mittlerweile war der Schein einem gleißenden Licht gewichen und illuminierte die ganze Umgebung. So viel Kraft und so viel Wärme die nun von meiner Seele ausgingen ließen mich alles vergessen.
Auch, das dies das letzte aufbäumen vor dem sterben war.
Mit aller Kraft sandte sie noch einen letzten Impuls des Lebens und des Wiederwillens gegen die Vergänglichkeit aus, bis sie langsam anfing zu erlöschen.
Sie wurde kälter und schwerer in meinen Händen...
Ich begann wieder zu zittern und versuchte die Tränen aus meinen Augen zu blinzeln um zumindest noch die letzten Momente zu erleben in der meine Seele sich regte. Natürlich half es nichts, ich sah wegen der Tränen nur einen blassen Punkt der immer schwächer wurde.
Jetzt, und jetzt, und jetzt...ich legte meine Rechte auf die Linke um zumindest noch den kleinen Rest Liebe, der in ihr steckte, zu spüren.
Sie für mich zu bewahren und nun meinem Herzen die Aufgabe zukommen zu lassen mich zu führen.

Nach dem Tot meiner Seele kniete ich in völliger Dunkelheit, darauf wartend das jemand käme um mich zu strafen für das was ich gerade getan hatte. Aber niemand kam.
Ich wischte mir ein paar mal über die Augen um wieder klar sehn zu können, aber nichts war zu erkennen. Nach dem verlöschen des Lichtes hat die Nacht ihren Mantel um mich gehüllt und war nicht willens mich erkennen zu lassen in welche Richtung nun meine Reise mich führen sollte.
Ich blickte auf und sah die Sterne über mir.
Aber auch jene schienen mich nur mahnend zu betrachten, so als ob eben einer der Ihrigen in meinen Händen gestorben wäre...

ntm

Sonntag, 25.06.2006

Short Rezi: Bartimäus- Das Amulett von Samarkand

Getrieben von einem verletztem Stolz und Rachegelüsten lässt sich der 12 jährige Nathanael zu einem Dummenjungenstreich hinreißen. Um sich an einem Zauberer namens Simon Lovelace zu rächen beschwört der den Dschinn Bartimäus herauf, mit dessen Hilfe er das Amulett von Samarkand stehlen will.
Leider zu spät bemerkt Nathanael das er damit Lovelace bei seiner Durchführung, der mächtigste Mann im Staat zu werden, ordentlich ins Handwerk pfuscht.
Jener lässt sich dies natürlich nicht gefallen und hetzt dem Jungzauberer bald schon die ersten Handlanger auf die Versen womit für Nathanael und seinem Diener Bartimäus ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt bei dem nicht nur ihr eigenes Leben auf dem Spiel steht.

Bartimäus- Das Amulett von Samarkand ist der erste Band der auf drei Bücher angelegten Story aus der Schreibfeder Jonathan Strouds. Das Buch hat eigentlich alles was einen unterhaltsamen Schmöker ausmacht und weist dadurch Potential auf, vor allem jüngere Leser, dazu zu bewegen wieder einmal ein Buch in die Hand zu nehmen.
Den älteren Semestern hingegen dürften so Kleinigkeiten wie die Diskriminierung von Menschen -und die daraus resultierende zwei Klassengesellschaft- sauer aufstoßen. Leider drückt sich der Autor das ganze Buch über vor einer Stellungnahme bzw. ist er nicht willens dem Leser ein gewisses Gespür für die Gesamtsituation zu vermitteln.
Genauso störend ist die Tatsache das der "Hauptcharakter" Nathanael regelmäßig von seinem Dschinn Bartimäus regelrecht an die Wand gespielt wird. Der kleine Junge ist schwach, fahrig und mit einem Wort zu jung für die ganze Story. Stroud hat zwar versucht dahingehend gegenzulenken, das er Nathanael eine übermäßige Begabung für die Magie aufgedrängt hat, aber leider endet dies meist darin das der Knabe als kleiner Klugscheißer dasteht.
Als Sympathieträger oder Identifikationsfigur ist er denkbar ungeeignet und an manchen Stellen des Buches wirkt er, mit seinem beschränktem Weltbild und dadurch aufkeimenden Hass auf den "Widerstand" die Menschen betreffend, schon fast unsympathisch.
Eine Chemie zwischen den beiden Protagonisten sucht man vergebens, und von Freundschaft will man erst gar nicht anfangen.
Alles kommt zu steril und unpersönlich herüber. Die Story war meinem Ermessen nach zu träge und kommt erst so um die Seite 350 in die Gänge.
Natürlich will ich auch einräumen das so manch ein Kritikpunkt nichtig wird wenn man bedenkt das Das Amulett von Samarkand lediglich der erste Band der Trilogie ist und somit noch viel Raum für Nachbesserungen bleibt. Aber leider hat es das Buch nicht geschafft mich auf Band 2 und 3 neugierig zu machen denn vergebens habe ich auf den Funken gewartet der in mir den Leseeifer entzündet hätte.

Wie schon angemerkt.
Der jungen Leserschaft liegt mit diesem Buch ein durchaus gediegenes Abenteuer vor. Älteren Lesern sei jedoch zu den unweit besseren Büchern von Stephen Elboz (Der Sohn des Zauberers) oder auch Christoph Marzi (Lycidas) geraten.

In dem Sinne wünsche ich ihnen ein gutes Buch und bleiben sie stark.
NtM

Sonntag, 11.06.2006

Rezi: Mit brennender Geduld

Mario Jiménez sieht sich nicht in einer Rolle als Fischer. Es ist ihm verhasst so früh aufzustehen, und dann auch noch die Körperliche Arbeit die dabei anfällt. Die selben Ansichten hat auch sein Vater der ihn immer mehr und mehr dazu treibt sich irgendwo eine andere Arbeit zu suchen.
"Hast du ein Fahrrad?", lautete die Frage auf dem Postamt wo gerade einer der Briefträger in Rente gegangen ist und somit ein Ersatz gesucht wurde.
"Ja", sagte Mario freudestrahlend und hatte somit den Job in der Tasche. Das besondere an seiner Route sei, meinte sein Chef, das er nur einen Einzigen Kunden hätte aber der bekommt seine Post oft Sackweise. Dieser besondere Kunde war niemand geringerer als der Dichter Pablo Neruda.
Unser Postbote ging seine Arbeit voller stolz und Freude an und am Anfang war er auch ein bisschen nervös dem Literarischen Meister gegenüber zu stehen. Aber das legte sich recht schnell und die Wochen zogen dahin im immer gleichen Ablauf:
Klingeln, Grüßen, Post übergeben, Trinkgeld nehmen, Grüßen und auf Wiedersehen...bis Morgen. Ein Typisches Geschäftsverhältnis das auch Monate so weitergegangen währe wenn nicht zwei Dinge in derer beider Leben getreten währen.
Mario stellte eines Tages Don Pablo normal die Post zu und die Tür ist, nach der Übergabe des Trinkgeldes, auch schon wider fast ins Schloss gefallen als Neruda mit Hast und Eile einen Brief aus dem Packen zog und ihn hektisch öffnete. Mario konnte natürlich nicht an sich halten und fragte was es denn sei. Dies war das erstmal das er mehr als 3 Worte mit Don Pablo geredet hatte. Und er war überrascht als sein Gegenüber ganz geflissentlich erwähnte das es sich, wieder einmal, um eine Nominierung für den Nobelpreis handle. Daraus entspann sich ein Gespräch das den Beginn zu einer Freundschaft setzte.
Ich sprach noch von einem zweiten Ereignis das die beiden Leben umkrempeln sollte.
Mario verliebt sich. Nichts ahnend, unvorbereitet, aus heiterem Himmel trifft ihn Amors Liebespfeil. Beatriz hieß die Anbetungswürdige, die dem Postmann alle Sinne geraubt hat.
Durch das vertrauliche Gespräch bestärkt steht Mario am nächsten Tag auch schon vor der Türe des Dichters um seinen Rat in Liebesdingen zu erfragen. Und nicht nur das. Der Verliebte möchte an statt des Trinkgeldes ein von Neruda persönlich verfasstes (Liebes) Gedicht haben, das er dann der Holden vortragen könnte auf das sie ihn erhöre.
Aber so weit soll es nicht kommen.
Unverhofft wird der Dichter, einige Tage später, von seiner Partei als Präsidentschaftskandidat in den bevorstehenden Wahlen nominiert. Hals über Kopf bricht er in den Wahlkampf auf und verlässt den armen Mario, der mit seinen Problemen nun auf sich alleine gestellt ist.


Antonio Skármeta hat an seinem Roman, Mit brennender Geduld, insgesamt 14 Jahre lang geschrieben und dennoch ist er nur 150 Seiten dick. Es kommt aber nicht auf das wie viel sondern auf das was er geschrieben hat an. Und das kann sich durchaus sehen lassen.
Mit sympathischen Charakteren erzählt er eine Geschichte über die Freundschaft zweier Männer aber auch über die Liebe. Nicht nur jene zu einer Frau sondern auch jene zu den Worten, zum Geist der sie ersinnt und nicht zuletzt zur Freiheit des selbigen.
Es ist aber auch eine Geschichte über die Politik über die Machtverhältnisse, und deren Verschiebungen, im damaligen Chile. So wie auch ein Blick auf das gemeine Volk das damit zu leben hat.
Für Fans der Verse Pablo Nerudas ist der Roman uneingeschränkt empfehlenswert aber auch andere Leser sollten sich dieses, schön -in leichter Sprache verfasste und mit leichter Ironie gewürzte, Büchlein nicht entgehen lassen. Einen lohnenswerten Nachmittag hat man damit alle mal.

In dem Sinne wünsche ich ihnen ein gutes Buch und bleiben sie stark.
NtM

Samstag, 10.06.2006

Rezi: Die Knebel von Mavelon


1534 a.D.

Bertram führt ein normales Leben als Scharfrichter. Wenn irgendwo jemand gefoltert, gevierteilt oder auch nur geköpft werden soll so war er der Mann der Stunde. Leider hat er das Problem das er seine Arbeit, also das töten von Menschen, nicht wirklich so gern mochte, und er den Beruf nur ergriffen hat weil sein Vater und dessen Vater davor auch schon das Handwerk des Tötens ausgeübt haben. Hinzu kommt auch noch die Nervosität der er unterliegt wenn ihm alle auf die Finger schauen, denn jeder Einwohner von Mavelon wird vom ansässigen Grafen dazu gezwungen den Hinrichtungen beizuwohnen. Als Abschreckung, versteht sich.
Bertram hat auch eine Freundin. Lilian heißt die Schöne und ist 17 Jahre alt. Er mag sie und natürlich hat er sie auch schon mal gefragt ob sie nicht seine Frau werden wolle. Sie hat abgelehnt. Nicht aber aus fehlender Zuneigung zu ihm, sondern mehr aus dem Umstand heraus, wenn sie ihn heiratete, alle zu ihr Frau Henker sagen würden und ihr vielleicht auch die selbe Skepsis und Antipathie der Gemeinschaft entgegen schlagen würde wie Bertram.
Aber abgesehen von diesen Kleinigkeiten verlief das Leben der beiden eher unspektakulär. Bis zu jenem Tage wo Anneke hingerichtet werden sollte. Die junge und überaus hübsche Frau wurde wegen ihrem Wissen bei Krankheiten, die sie mit Kräutern zu behandeln pflegte, von der Kirchlichen Obrigkeit eindeutig als Hexe identifiziert und somit zum Tode mittels Beil verurteilt.

Alles nahm seinen gewohnten Lauf.
Dem Vertreter der Kirche befiel auf dem Schafott kurzzeitige Amnesie, Bertram lies sein Beil fallen und hatte Schwierigkeiten es durch seine blickdichte Kapuze widerzufinden und der Vertreter des Grafen´s verlor, ob all dieses Chaos, langsam die Nerven -da er alle 2 Minuten wieder mit der Verlesung der Anklageschrift beginnen musste- so das er am Ende nur noch in einem gellenden Schrei forderte das man der Sünderin nun endlich den Kopf von den Schultern trennen sollte.
Auch Lilian musste dem peinlichen Spektakel beiwohnen. Sie fing schon an sich zu langweilen als ihr Blick jenen der hinzurichtenden Anneke auffing. Jene sah sie lange an und begann stumm mit ihrem Mund Worte zu formen. Lilian war sich nicht ganz sicher ob SIE damit gemeint war oder jemand dahinter. Als sie sich umblickte stand doch tatsächlich Cäcilie hinter ihr und legte ihr die Hände auf die Schultern. Auch sie sah zur Todgeweihten hinüber und formte stumme Worte mit ihrem Mund.
Danach ging alles recht schnell, nicht nur das Anneke den Kopf verlor, sondern das Cäcilie zu Lilian sagte das sie unbedingt ihre Hilfe bei einer ganz wichtigen Sache bräuchte, und das sie sich deswegen so bald wie möglich treffen sollten. Natürlich war Lilians Mutter dagegen das sie die etwas ältere, Alleinstehende, Frau besucht.
Sie steht genauso wie manch andere unter dem Verdacht eine Hexe zu sein, und wenn sie -Lilian- sie besuchen würde könnte man nicht ausschließen das auch sie selbst bald als Hexe verschrien währe. Aber Mutters zetern half alles nichts und das Töchterchen ging trotzdem.
Bei Cäcilie angekommen machte man es sich gemütlich und Jene erzählte Lilian davon das die kürzlich hingerichtete Anneke sich auf die Kräuterkunde verstand und nahe daran wahr das Elixier des ewigen Lebens zu finden. Nun soll Cäcilie das Werk zu Ende führen benötigt aber dafür Lilians Hilfe. Denn sie war nicht nur gescheit sondern auch was ganz Besonderes. Was?, wollte die Frau dem Mädchen nicht verraten.

Zu diesem Zweck stellte Cäcilie Lilian bei sich am Hofe als Markt an.
Um den Schein zu wahren bewirtschaftete man das Land und versorgte das Vieh aber hauptsächlich machten beide sich auf Kräuter und Pflanzen zu sammeln um mit ihnen zu experimentieren und, den Aufzeichnungen Annekes folgend, hinter das Geheimnis des ewigen Lebens zu kommen.
Die Wochen strichen dahin ohne das man des Rätsels Lösung näher gekommen währe, lediglich die Hasen verhielten sich ungewöhnlich. Obwohl sie ihren beiden Lieblingsbeschäftigungen, fressen und rammeln, eifrig nachkamen wollte sich bei manchen einfach kein Nachwuchs einstellen. Und dies waren gerade jene Karnickel die zusammen mit der trächtigen Stute, Famfatal, immer wieder über den Gemüsegarten hergefallen waren. Darüber hinaus schien, trotz spontaner Fressattacken Seitens der Tiere, das Gemüse dieses Jahr prächtig zu gedeihen und um einiges größer zu sein als letztes Jahr.
Schnell wurde 1 und 1 zusammengezählt.
Famfatal machte sich, bei den Überfällen auf den Gemüsegarten, nicht immer die Mühe auszutreten um ihr Wasser abzuschlagen und lies es gleich an Ort und Stelle laufen, was nicht nur den Riesenwuchs von Salat und Co erklären würde sondern auch die Unfruchtbarkeit der der Häsinnen. Im Urin der trächtigen Stute befanden sich nämlich Östrogene die bei den Hasen kurzzeitige Unfruchtbarkeit auslöste.
Rasch wurde darüber nachgedacht ob dies wohl auch bei Menschen funktionieren würde und nach dem man alles in eine gefällige Form, Pille, gebracht und am lebenden Hasen studiert hatte, war man bereit es auch an einem Menschlichen Probanden zu versuchen.
Dieser fand sich in der Form von Konstanze, einer Bekannten von Lilian im selben Alter wie sie, die schon mit zwei Kindern gesegnet wahr und es auf kein drittes mehr anlegen wollte.
Was beim Hasen klappte schien auch beim Menschen zu funktionieren. Trotz ungezügelten Verkehr mit ihrem Mann schien Konstanze keine Zeichen einer Schwangerschaft aufzuweisen. Die Pille war ein voller Erfolg...wenn nur nicht dieser Tag gewesen währe an dem sich Cäcilie und Lilian zu Konstanze begeben wollten um etwas zu feiern.
Bei ihr angekommen schien das Haus verlassen zu sein. Nichts rührte sich, weder die Tiere noch die Kinder schienen irgendwelchen Lärm zu machen. Im Haus selbst zeigte sich ebenfalls alles ruhig und verlassen. Nur ein unförmiges Etwas am Küchenboden schien zu leben. Schnell wurden Fenster abgedeckt um Licht hereinzulassen und die beiden Besucher erkannten Konstanze die, zusammengeschlagen von ihrem eigenen Mann, vor ihnen lag.
Nur mit Mühe konnte sie den beiden verständlich machen das sie sofort wieder gehen sollten denn ihr Mann habe die Pillen gefunden und ist sofort zum Grafen geritten um sie gefangen nehmen zu lassen. Leider kam die Warnung zu spät da keine Minute später bereits, im Namen des Grafens, an die Tür geklopft und alle drei Frauen verhaftet wurden.
Nun, an Händen und Füssen in Eisen gelegt und in ein Tiefes Loch gesteckt, harrten sie der Dinge die da kommen mögen. Derer waren Enthauptung und Tot durch verbrennen auf dem Scheiterhaufen.
Oder doch nicht?


Etwas was einem Leser in Fleisch und Blut übergehen muss ist der Leitsatz:
Beurteilen sie nie ein Buch bevor sie es nicht gelesen haben
Ich hatte bei Die Knebel von Mavelon von Steffi v.Wolff durchaus meine Bedenken. Die ersten 2 Seiten wahren gespickt mit flachen Witzchen die selbst jeden TV-Comedyen die Schahmesröte ins Gesicht getrieben hätten und ich somit recht schnell mit dem Urteil bei der Hand war das es sich hier wieder einmal um ein typisch Deutsches Werk handeln wird. Deutsch deswegen weil der Witz so gekünstelt und unbeholfen -bemüht- wirkte so das ich bei den ersten beiden Seiten kaum den Mundwinkel nach oben gezogen habe.
ABER, liest man dann weiter entpuppt sich die Autorin, in Belangen des Subversiven wie auch Schwarzen Humors, als wahre Könnerin.
Locker, leicht und flott werden, mittels sympathischer Charaktere und manch schrägen Storyelement, Seitenhiebe und Pointen ausgeteilt. Dargebracht mit einer spürbaren Lust am Erzählen, und treiben Geschichtlichen Schabernacks, nimmt die Geschichte im zweiten Drittel ordentlich Fahrt auf so das es für den Leser kaum mehr möglich ist sich dieser skurrilen Odyssee, quer durch Deutschland und darüber hinaus, zu entziehen.
Sicher mag es einige (nicht viele) Geschichtliche Ungereimtheiten geben aber jene kann man, im Anbetracht des guten Gesamteindrucks, gutmütig übersehen.

ENDLICH! möchte ma(n) da ausrufen, endlich ein deutscher Frauenroman der einen nicht vollraunzt und einem mit flachen Geschichten die Zeit stiehlt. Endlich ein Roman, dessen Geschichte zwar nicht weltbewegend ist, aber der die geneigte Leserschaft bestens unterhält.
Und endlich ein Frauenroman, der trotz geballter Frauenpower, auch den männlichen Anteil der Leser ansprechen dürfte. Denn selten zuvor schaffte es eine deutsche Autorin so frech und frei, aber dennoch gekonnt zu überzeugen und ganz nebenbei auch noch Anleihen an die alten Werke von Terry Pratchett zu nehmen.
Kompliment.

In dem Sinne wünsche ich ihnen ein gutes Buch und bleiben sie stark.
NtM